Starke Boote, leuchtende Flaggen und bewegende Geschichten: Am 28. Juli 2024 lud die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zum traditionellen Tag der Seenotretter – auch in Wilhelmshaven. Hunderte Besucher erlebten hautnah, wie viel Mut, Teamgeist und Technik hinter den Einsätzen auf Nord- und Ostsee stecken.
🚨 Rettung hautnah
Am Standort Wilhelmshaven öffnete die DGzRS ihre Türen und Luken. Besucher konnten die modernen Seenotrettungskreuzer und -boote besichtigen, darunter auch die „Bernhard Gruben“ und weitere Einheiten der Station Wilhelmshaven.
Die freiwilligen und fest angestellten Rettungskräfte führten Übungen vor, erklärten Technik und sprachen über ihre Erlebnisse auf See.
⚓ Ein Tag für die ganze Familie
Mitfahren auf dem Seenotkreuzer – ein echtes Highlight für viele Gäste
Mitmachaktionen für Kinder: Knoten lernen, Rettungswesten testen, Rettungsboote en miniature steuern
Vorträge & Infostände über Sicherheit auf dem Wasser, Notruftechniken und die Arbeit der DGzRS
Maritimes Rahmenprogramm mit Shanty-Chören, Fischbrötchen und Blick auf das Marinearsenal
💬 Stimmen vom Kai
„Es ist Wahnsinn, wie engagiert die Leute hier sind – alles für den guten Zweck und oft ehrenamtlich!“ — Besucher am DGzRS-Infostand
„Ich wusste gar nicht, dass die Seenotretter sich rein über Spenden finanzieren. Das verdient Respekt – und Unterstützung.“ — Urlauberin aus Süddeutschland
🧭 Warum es diesen Tag braucht
Der Tag der Seenotretter findet jährlich am letzten Sonntag im Juli statt – in über 50 Stationen an Nord- und Ostsee. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen, Danke zu sagen und um Unterstützung zu werben. Denn: Die DGzRS arbeitet ausschließlich spendenfinanziert.
Jede Rettungsweste, jeder Einsatz, jedes gerettete Leben ist das Ergebnis des Engagements vieler freiwilliger Helfer.
Der Tag der Seenotretter in Wilhelmshaven war mehr als ein Hafenevent – er war eine Würdigung für Menschen, die rausfahren, wenn andere reinkommen. Ein Tag für die Retter. Und für uns alle.
Über 40 Jahre hat Kapitän Gerhard „Herzi“ Eilers mit seiner „Wappen von Juist“ Touristen von der ostfriesischen Insel zur südwestlich gelegenen Vogelinsel Memmert gebracht: ein Tagesausflug in ein kleines Paradies.
Über eine schmale Brücke betrat man die „Wappen von Juist“. An Deck befanden sich zwei Bankreihen: Rücken an Rücken. An der Reling standen Fernrohre bereit, um den Touristen einzigartige Zugvögel sowie Seehunde und Kegelrobben näherzubringen. Wer diesen Tagesausflug zur Vogelinsel Memmert gebucht hatte, der stellte sich auf einen unvergesslichen Tag mit vielen wunderbaren Eindrücken ein. Der Startzeitpunkt hing von der Tide ab. Manchmal stach Kapitän Eilers schon morgens in See, manchmal erst am Nachmittag – mal bei Sonnenschein und strahlendblauem Himmel, mal bei Windstärke sieben und Wolken. Aber immer schipperte die „Wappen von Juist“ aus dem Juister Hafen und drehte dann gen Borkum ab. Kapitän Gerhard Eilers, von allen „Herzi“ genannt, kennt das Watt wie seine Westentasche. Er lenkte sein Schiff routiniert auf der Wattseite der Insel Richtung Westen. Je nach Jahreszeit bekamen die Urlauber bereits auf dem Weg eine Menge interessanter Wassertiere zu sehen.
Ca. 2 Stunden dauerte die Fahrt zur Vogelinsel. Stunden, in denen die Urlauber sich einfach den Wind um die Nase wehen lassen, die Aussicht genießen und den Informationen von „Herzi“ Eilers lauschen konnten. War die „Wappen von Juist“ dann am Ziel, begann für die Touristen der Landgang. Wer Memmert erkunden wollte, musste das Schiff über eine Leiter verlassen und ein kurzes Stück durch das knietiefe Wasser waten. Dann war man da und die Erkundung der Vogelinsel konnte beginnen. Kapitän Eilers und sein Schiff blieben am Strand vor Anker, erledigten Wartungsarbeiten oder tranken Tee und warteten auf die Rückkehr ihrer Gäste. Müde, geschafft und voller Eindrücke, aber glücklich kamen die Urlauber rund 8 Stunden später wieder im Juister Hafen an.
„Wappen von Juist“– Der Traum vom eigenen Schiff
1967 wurde die „Wappen von Juist“ in der Voss Werft in Westerende gebaut. Sechs Jahre war das Schiff unter dem Namen „La Paloma“ zunächst auf Norderney beheimatet und unternahm von dort Ausflugsfahrten, bevor es 1974 der Juister Kapitän kaufte und in „Wappen von Juist“ umbenannte. Für die nächsten 45 Jahre sollte das Ausflugsschiff dann seinen Heimathafen auf Juist haben und Touristen glücklich machen.
Diese Investition war ein großer Schritt für den damals 31-Jährigen. „Möglich war der Kauf nur, weil mir der Bünder Fabrikant Werner Hennings finanziell ausgeholfen hat“, erinnert sich Gerhard Eilers. Der nordrhein-westfälische Unternehmer liebte das Töwerland, wie Juist von den Einheimischen genannt wird, und verbrachte seine Urlaube auf der ostfriesischen Insel. Durch viele Ausflugsfahrten kannte er die Familie Eilers gut und war ihnen zugetan. „Für mich war das ein Glücksfall, denn mit der ‚Wappen von Juist‘ konnten wir nun rund 20 Passagiere mehr auf unsere Ausflüge mitnehmen“, berichtet der ehemalige Kapitän, der die gesamte Saison über Ausflugsfahrten anbot. 100 Gäste fanden auf der „Wappen von Juist“ Platz, ein geräumiger und ausgebauter Innenraum lud nun auch bei schlechterem Wetter unter Deck zum Verweilen ein. Die Touren führten die Urlauber aber nicht nur nach Memmert, sondern auch regelmäßig zu den Seehundbänken, nach Borkum und Norderney sowie einige Jahre auch auf sogenannte Butterfahrten. „Wir mussten das Beste aus der Saison rausholen“, sagt Kapitän Eilers. Denn die Sicherheitsvorschriften waren hoch, jedes Jahr musste die „Wappen von Juist“ um- oder nachgerüstet werden. „Das war kostspielig.“
Eng verbunden: Seefahrerfamilie Eilers und Juist
Kapitän Eilers liegt die Seefahrerei im Blut. Sein Großvater Bernhard Eilers war bereits Kapitän bei der Frisia gewesen. Sein Onkel Wilhelm Tietken fuhr auf den Rettungsbooten „Borkum“, „Theodor Heuss“ und „Georg Breusing“ sowie auf dem Bereisungsschiff „Ems“. Nur sein Vater Hermann Eilers konnte aus gesundheitlichen Gründen kein eigenes nautisches Patent erwerben und wurde Tischler. Trotzdem konnte auch er sich der Seefahrerei nicht komplett entziehen, und so unterstützte er seinen Sohn liebend gern jeden Sommer von 1968 bis 1992 als zweiter Mann an Bord der „Wappen von Juist“. Familie Eilers stammt von „Töwerland“, auch wenn Gerhard „Herzi“ Eilers 1943 in Bad Vöslau bei Wien geboren wurde. Sein Vater war dort im Krieg stationiert. „Als es brenzlig wurde, schickte er meine Mutter mit mir noch im selben Jahr zu seiner Familie nach Juist“, erzählt Kapitän Eilers, der auf der ostfriesischen Insel aufgewachsen ist und bis heute hier lebt. „Ich möchte nirgendwo anders sein. Juist ist meine Heimat“, betont er. Auch wenn er gerne mit seiner Frau Maike seine Töchter in Hagen und in Südafrika besucht, ist das Ehepaar immer froh, wenn es wieder nach Hause kommt.
„Ich möchte nirgendwo anders sein. Juist ist meine Heimat.“
Von Anfang an stand für Gerhard Eilers fest, dass er mal in die Fußstapfen seines Großvaters und Onkels treten würde. Nach der achten Klasse ging er von der Schule ab und begann eine Ausbildung an der seemännischen Berufsfachschule in Elsfleth. Ein Vierteljahr wurde er dort mit dem notwendigen Knowhow für seine erste große Fahrt versorgt. Die erste Tour führte Gerhard Eilers als Schiffsjungen mit der Reederei Fritzen von Chile nach Rotterdam. Drei Monate war der junge Mann auf hoher See, um Erz zu transportieren. „Es ist das Seemannslos viele Wochen unterwegs zu sein“, sagt er. Weitere Fernreisen führten ihn nach Westindien und in die Karibik, später dann etwas kürzere mit Früchten an Bord von den kanarischen Inseln nach London. 1961 legte Gerhard Eilers seine Matrosenprüfung in Bremen ab. Einige Jahre fuhr er auf dem Versorgungsschiff zwischen Juist und Norddeich mit, bevor er 1966 bei der Seefahrtsschule in Leer sein Steuermannspatent ablegte und 1968 in Grünendeich an der Elbe schließlich das Kapitänspatent erlangte.
„Mir war damals schon klar, dass ich zurück nach Juist wollte“, erzählt der heute 79-Jährige. Sein Onkel brauchte Unterstützung und so kam Gerhard Eilers 1968 zurück. Er nahm die Sache in die Hand und stattete die „Ostfriesland“, das damalige Frachtschiff seines Onkels, mit einem neuen Motor aus und baute die Kajüte um. „So ging es für mich in diesem Sommer mit den Memmertfahrten los“, erinnert er sich zurück. Memmert war schon damals ein beliebtes Ausflugsziel. 80 Gäste konnte der junge Kapitän auf seine täglichen Fahrten mitnehmen. „Mit 25 Jahren wurde ich quasi ins kalte Wasser geworfen und konnte mich freischwimmen“, erinnert er sich heute lachend. Zum Nachdenken hatte er in diesen ersten Jahren aber keine Zeit. Er packte die Dinge an, bot im Sommer Ausflugsfahrten an und rüstete im Winter das Schiff um für den Transport von Fracht. „Kies, Steine – ich hatte einige Bauunternehmer an der Hand und alles im Griff“, bestätigt er rückblickend. Dann kam die Gelegenheit, die „Wappen von Juist“ zu übernehmen und damit das Geschäft mit den Ausflugsfahrten zu erweitern. Der junge Kapitän griff zu und wurde somit zu einer wahren „Institution“ auf Juist. Jeder Insulaner kennt, aber auch nahezu jeder Urlauber kannte, „Herzi“ Eilers und die „Wappen von Juist“. 45 Jahre unterhielt er seine Gäste auf seinen Ausflugsfahrten mit vielen Informationen sowie flotten Sprüchen und lenkte sie sicher durchs Watt.
Herr Eilers, wie sind Sie auf den Namen „Wappen von Juist“ gekommen?
Das Schiff hieß „La Paloma“. Das war für mich nicht der passende Name. Ich bin Insulaner und der Name sollte Bezug zu meiner Insel und dem Heimathafen haben. So manches Mal habe ich mich im Nachhinein über die Länge des Namens geärgert, wenn ich wieder alle Buchstaben nachpinseln musste (lacht).
Wieso werden Sie von allen „Herzi“ genannt?
Den Spitznamen hat mir mein Vater gegeben und alle anderen haben ihn übernommen. Hätte ich mich darüber aufgeregt, wäre es bestimmt nicht besser geworden. (lacht) So war das dann eben.
Was war ihr schönstes Erlebnis auf der „Wappen von Juist“?
Eine Hochzeit bei uns auf dem Schiff. Das war sehr bewegend und schön.
Der Papagei, der zuletzt im Steuerhaus hing, ist quasi das Markenzeichen der „Wappen von Juist“. Wie sind Sie zu dem Papagei gekommen? Was hat der Papagei gesagt?
Meine Tochter hat sich in solch einen Papagei auf einem Schiff in Südafrika verguckt. Dort sprach dieser allerdings italienisch, weil er zusammen mit einem Italiener die Fahrkarten verkaufte. Wir waren so begeistert von dem Papagei, dass wir aus einem Souvenirshop einen für unser Schiff mitbrachten. Der Papagei brabbelte alles nach, was man ihm vorsagte. So konnte er deutsch, englisch, holländisch oder auch italienisch reden.
Hatten Sie eine Lieblingstour?
Am allerliebsten bin ich zu den Seehundbänken gefahren. Da hatten wir die zufriedensten Gäste, das war entspannt. Die Kegelrobben waren meist sehr neugierig und schwammen nah an unser Schiff heran. Das fanden natürlich alle super. Besonders die Kinder machten kugelrunde Augen und waren begeistert, die wilden Tiere so nah zu erleben.
Schluss, Aus, Ende
„Doch das ist jetzt Schnee von gestern“, stellt Kapitän Eilers nüchtern-norddeutsch fest. „Die Zeit mit der ‚Wappen von Juist‘ war schön, aber nun ist es vorbei.“ Kapitän Eilers wollte selbst entscheiden, wann er aufhört. Einen Nachfolger hatte er nicht. „Ich musste jedes Jahr meine Gesundheitskarte erneuern. Das klappte zwar noch – auch mit 76 Jahren. Aber man hat schließlich eine Verantwortung den Gästen gegenüber und irgendwann ist man einfach zu alt“, erklärt er. Sein Entschluss stand 2019 fest, er hing die Seefahrerei an den Nagel und verkaufte die „Wappen von Juist“ an die Redeerei Norden-Frisia. Heute schippert er nicht mehr auf dem Meer herum und vermisst es tatsächlich auch nicht. „Arbeit habe ich trotzdem genug“, sagt er augenzwinkernd, denn als Besitzer von drei Ferien-Appartements wird es ihm nie langweilig. Ansonsten ist er leidenschaftlicher Jäger und gerne an der Bill oder dem Kalfamer unterwegs. „Am liebsten ganz früh morgens, wenn noch kein anderer auf den Beinen ist“, sagt der ehemalige Kapitän, der das Meer trotzdem noch liebt – aber nun nur noch von der Landseite.
Das Aus für Memmertfahrten oder wie geht’s weiter?
Leider bedeutete der Verkauf der „Wappen von Juist“ auch das Aus für die Memmertfahrten, was auch das Nationalpark-Haus, das eng mit Kapitän Eilers zusammengearbeitet hat, sehr bedauert. „Viele Touristen fragen die Ausflüge weiter nach, aber leider gibt es zur Zeit kein adäquates Angebot. Wir stehen in regem Austausch mit der Frisia dazu“, erklärt Jens Heyken, Leiter des Nationalpark-Hauses Juist. „Gerade die Memmertfahrten sind etwas ganz Besonderes“, betont er, denn in diesem Rahmen ließen sich Geschichte und Bedeutung der Vogelinsel wunderbar vermitteln.
Zwar erhielt die Reederei Cassen-Tours, die Tochtergesellschaft der Reederei Norden-Frisia, die für das Ausflugsfahrtengeschäft verantwortlich zeichnet, den Betrieb vorerst aufrecht. Zumindest war so der Plan: 2020 gab es dann coronabedingt keine Fahrten. 2021 war die „Wappen von Juist“ dann doch noch – im Rahmen der Möglichkeiten – im Einsatz. 2022 war dann endgültig Schluss, da bei der jährlichen Inspektion des Schiffs diverse bauliche Mängel am Schiffskörper auftraten, deren Instandsetzung hohe Kosten verursacht hätte. Die „Wappen von Juist“ liegt nun als Anlegeponton im Hafen von Norderney und dient den Fahrgästen der Inselexpress-Minifähren als Steg. Eine Zulassung als Schiff hat sie nicht mehr.
Wie soll es nun mit den Memmertfahrten weitergehen?
Das ist leider nicht ganz klar. „Wir überlegen momentan, welches Fahrzeug sich am besten als Ersatz für die ‚Wappen von Juist‘ eignen würde“, sagt Fred Meyer von der Reederei Cassen-Tours. Ob die Frisia X oder das Schwesterschiff Frisia XI dafür in Frage kommen, ist noch nicht entschieden. Da beide Schiffe höher gebaut sind als die ‚Wappen von Juist‘ gestaltet sich der Ausstieg erheblich schwieriger. Jens Heyken sieht dies als kritisch an: „Denn ein Ausstieg über eine Leiter wäre wohl kaum möglich.“ Denkbar wäre diese Variante für ihn nur, wenn die Gäste „ausgebootet“ würden, das heißt, dass sie in ein kleines Beiboot umsteigen müssten und an den Strand gebracht würden.
Auch Fred Meyer schätzt den Ausstieg über eine vier bis fünf Meter lange Leiter als eher unzumutbar für die Gäste ein. Trotzdem hätten die beiden Schiffe viele Vorteile: „Wir könnten unserem treuen Publikum auf der Insel Juist nicht nur mehr Platz an Bord anbieten, wie zum Beispiel durch größere Freidecks, sondern auch ein gastronomisches Angebot auf dem Schiff.“
All diese Fragen will die Reederei im Frühjahr geklärt haben, so dass es dann voraussichtlich kurzfristig eine Entscheidung über das weitere Angebot geben wird. Vielleicht wären dann ab Sommer wieder Ausflüge zur Vogelinsel möglich. „Wir hoffen das sehr“, betont Jens Heyken, denn er weiß, was diese Fahrten den Urlaubern bedeuten: unvergessliche Erlebnisse.
Dr. Paul Okot-Opiro ist seit 20 Jahren einer der beiden Inselärzte auf Juist und Tag und Nacht für die Patienten im Einsatz.
Auf Juist gehen die Uhren anders. Wer auf der autofreien Nordseeinsel mit den vielen Pferden ankommt, wird entschleunigt. Aber nicht nur die Zeit verläuft auf diesem wunderschönen Eiland langsamer, nein auch manch‘ andere Dinge sind hier einfach ein wenig anders als anderswo. Eine Patientin sagte vor vielen Jahren nach ihrem Arztbesuch verwirrt zur Apothekerin: „Der Arzt ist ganz schwarz und die Arzthelferin ist auch Ärztin.“ Lachend erzählt Dr. Paul Okot-Opiro diese Geschichte. Der Arzt, der ursprünglich aus Uganda stammt, fällt bis heute auf, obwohl er inzwischen seit 20 Jahren auf Töwerland – wie die Insel gerne genannt wird – lebt und durch seine humorvolle, direkte und anpackende Art nicht mehr von hier wegzudenken ist.
Auf die Frage, wie er denn nach Juist gekommen sei, antwortet Dr. Paul Okot-Opiro: „Mit der Frisia, wie Sie!“ Er lacht. Dabei ist seine Geschichte bewegend. Als junger Mann musste Dr. Paul Okot-Opiro aus seinem Heimatland Uganda fliehen – dort herrschte Bürgerkrieg. Er ließ 1981 alles zurück und kam nach Hamburg, wo er von einer 4-köpfigen Familie aufgenommen wurde. Er bekam ein sechsmonatiges Sprachstipendium. „Schon damals hatte ich mein Ziel klar vor Augen, ich wollte Medizin studieren und den Menschen helfen“, berichtet er. Doch der Weg war steinig. Sein Abitur musste der damalige Schüler noch einmal in Deutschland nachmachen, bevor es zum Studium nach Kiel ging, wo er auch promiviert hat. Dann hat es ihn erst etwas weiter in den Süden verschlagen. „In Bad Brückenau habe ich Erfahrungen gesammelt und in Bad Sulzfeld die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner gemacht“, erinnert sich der heutige Inselarzt zurück. Alles gar nicht so einfach als Flüchtling ohne Staatszugehörigkeit. 2000 wurde er schließlich eingebürgert und trat eine Facharztstelle in einer Neuro-Otologischen Klinik in Bad Arolsen an, wo er seine Frau Dr. Heike Göttlicher kennenlernte.
„Sie war meine Chefin“, schmunzelt er. Heute ist es andersherum. Die Stelle des Allgemeinmediziners auf Juist hat Dr. Paul Okot-Opiro inne, seine Frau ist die gute Seele der Praxis, managed alles Administrative und steht den Patienten bei Fragen zur Seite. Die beiden sind ein Team, das sicher nicht nur die Liebe zur Medizin, sondern auch die Liebe zum Töwerland verbindet. Was Juist für Dr. Paul Okot-Opiro und seine Frau bis heute bedeutet, ist pures Glück.
„Diese Insel mit seinem wunderschönen Sandstrand ist ein Traum, unser kleines Paradies auf Erden.“ – Dr. Paul Okot-Opiro
Aller Anfang war schwer
Für diesen Traum haben die beiden gekämpft. Der Kliniktrott war nicht die Erfüllung, die sich der heutige Inselarzt erhofft hat. „Ich wollte nah am Patienten sein und noch Medizin machen, wie sie ursprünglich war, das heißt mit allen Sinnen und wenig Apparatur, eben so wie im tiefsten Dschungel“, betont er. Wo könne man das in Deutschland? Dieser Frage stellte sich das junge Paar damals und die Antwort war schnell gefunden: auf einer ostfriesischen Insel. Dr. Heike Göttlicher war seit den Urlauben in ihrer Kindheit verbunden mit dieser wunderschönen Region Norddeutschlands. Da lag für die beiden Ärzte die Überlegung nahe, sich auf einer Insel niederzulassen. Auch Langeoog, Spiekeroog und Baltrum waren mit im Rennen, doch gab es in der Zeit dort keinen freien Arztsitz. „Auf Juist war dies anders. Hier gab es keine Beschränkung“, erinnert sich Dr. Heike Göttlicher. „Wir konnten eine Zulassung beantragen und mussten dann innerhalb von drei Monaten eine Praxis eröffnen.“ Doch passende Räumlichkeiten zu finden, war eine absolute Herausforderung. Beinahe wäre die Praxis unter der Polizeiwache gelandet, doch bei der Vertragsunterzeichnung poppte ein Schimmelskandal in der Wohnung hoch. „Wir nahmen Abstand von den Räumlichkeiten und suchten auf Hochtouren weiter“, erinnert sich Dr. Paul Okot-Opiro an diese turbulente Zeit. Schließlich kamen sie mit dem Kurhaus, dem größten Hotel auf der Insel an der Strandpromenade, ins Gespräch. „Der damalige Direktor fand die Idee, einen Arzt im Haus zu haben, attraktiv und bot uns im Erdgeschoß – zunächst auf der Westseite des Gebäudes – zwei Räume an“, berichtet der Inselarzt weiter. So wurde der Traum von der eigenen Praxis für das Arztehepaar 2003 wahr. Bis heute befindet sich die Praxis im Erdgeschoß des ehemaligen Kurhauses, dem jetzigen Strandhotel, allerdings nun in lichtdurchfluteten Räumen auf der Ostseite.
Immer einsatzbereit
Dr. Paul Okot-Opiro ist immer im Einsatz – in seiner Praxis oder im Bereitschaftsdienst, als Notarzt oder bei Hausbesuchen. Freizeit bleibt da wenig. „Wir arbeiten, wenn andere Urlaub machen“, sagt er lachend.
Wer die Praxis an der Strandpromenade 1 betritt, merkt sofort, dass hier etwas anders ist. Es gibt keinen Empfangstresen, der Patient steht direkt im Wartezimmer mit einer fünf Meter hohen Decke, gemalten Bildern an den Wänden und einer Kinderspielecke. Hell, warm und freundlich wird er hier begrüßt. „Unser Wartezimmer soll eher an ein Wohnzimmer erinnern als an einen Wartebereich beim Arzt“, betont die Praxismanagerin. Es lädt zum Verweilen ein, und dauert es mal länger, bewirtet Dr. Heike Göttlicher die wartenden Patienten mit Tee und Kaffee. Gerade in der Hauptsaison müssen Patienten ein wenig Zeit mitbringen, denn bei Dr. Paul Okot-Opiro gibt es keine Termine. Als eine Patientin einmal hereinkam und verkündete, dass sie privatversichert sei, antwortete der Inselarzt humorvoll: „Danke, Sie zahlen gut, aber setzen Sie sich, Sie kommen der Reihe nach dran.“ Er lebt seinen Job, nimmt sich Zeit für alle Patienten und hat immer ein freundliches Wort auf den Lippen – niemand wird bevorzugt.
In der „Gute-Laune-Praxis“ – wie sie sich selbst nennen – sind auch kleine Patienten immer herzlich wilkommen. Angst vorm Doktor muss hier niemand haben. Der stets fröhliche Inselarzt lacht gerne, laut und und viel. Das wikrt meist ansteckend. Und falls sich doch ein mulmiges Gefühl im Bauch einschleicht, hilft die Arzthelferin, eine Handpuppe namens „Ilona“, gerne aus.
Dann schmilzt das Eis ganz schnell. „Manchmal muss man allerdings erst die Eltern behandeln, bevor man sich den Kindern annimmt“, lacht Dr. Paul Okot-Opiro, als er von einem jungen Paar berichtet, das abends verzweifelt mit seinem unentwegt schreienden acht Monate alten Kind bei ihm in der Praxis stand. „Das Kind spürte, das seine Eltern zur Party wollten und deshalb wollte es nicht einschlafen“, erzählt der Vater zweier Töchter amüsiert.
Aber nicht immer war die Behandlung so einfach. Als es für einen Patienten um Leben und Tod ging, begleitete Dr. Paul Okot-Opiro diesen bei Wind und Wetter aufs Festland. Er selbst kam später kaum mehr zurück. Das Rettungsboot von Norderney, das ihn zurückbringen sollte, setzte den damals noch jungen und erst kurz zuvor auf die Insel gekommenen Arzt bei Schneesturm am Ostende ab. „Ich war sehr beunruhigt, da ich nichts von meinem Mann gehört hatte und forschte nach“, erinnert sich seine Frau an diesen Abend im Winter 2004. „Als ich hörte, dass sie ihn nachts am Kalfamer abgesetzt hatten, und er im Morgengrauen nicht zurückkam, wurde ein Hubschrauber alamiert. Diese Nacht werde ich nie vergessen.“ Sie hat sich dann selbst mit dem Auto auf die Suche nach ihrem Mann gemacht. Die beiden Inselärzte sind nebem dem Rettungswagen die Einzigen, die auf der sonst autofreien Insel, ein Auto haben. Sie fand ihn durchgefroren, schlickverschmiert und geschwächt von einem langen Fußmarsch kurz vorm Flugplatz und brachte ihn wohlbehalten nach Hause.
Herausforderungen inbegriffen
Wer auf Juist Fuß fassen will, hat es anfangs schwer. Das wissen Dr. Paul Okot-Opiro und seine Frau aus eigener Erfahrung. „Vor allem die damaligen beiden anderen Inselärzte haben uns das Leben anfangs schwer gemacht“, erinnert sich das Arztehepaar zurück. Die Palette reichte von Anfeindungen bis hin zu zerstochenen Autoreifen. Der Höhepunkt wurde erreicht, als Dr. Paul Okot-Opiro einem Patienten nach einem Sturz mit einem gebrochenen Bein erste Hilfe leistete, und dieser ihn trotzdem übelst beschimpfte. Rückblickend kann das Ehepaar diese Begebenheiten mit einem lachenden und einem weinenden Auge erzählen, doch damals war es für die beiden schlimm. „Wir wollten doch nur helfen“, sagt der Inselarzt, der die damaligen Reaktionen weder verstehen noch nachvollziehen kann.
Heute gehört er fest zum Kreis der Insulaner, bekommt bei Hausbesuchen Tee und Kekse und hat immer Zeit für einen kurzen Schnack. Mit seinem Afrika-Fest, das seit 10 Jahren jedes Jahr im Sommer auf Juist stattfindet, hat er ein Stück seines Heimatlandes auf die ostfriesische Insel gebracht. „Dann schnippelt mein Mann stundenlang Bohnen“, berichtet seine Frau lächelnd. Für 100 Liter Ugandische Bohnensuppe müssen viele Kilogramm Bohnen sortiert und gekocht werden. Das Rezept wird nicht verraten. Einmal im Jahr kocht der Inselarzt höchstpersönlich sein ganz spezielles Lieblingsgericht für Einheimische und Touristen – dann bleibt die Praxis geschlossen und alle finden sich am Schiffchenteich zum Feiern ein. Am 22. Juli 2023 ist es wieder soweit. Neben der Bohnensuppe gibt es eine Tombola, für die Dr. Paul Okot-Opiro regelmäßig Spenden bei den ortsansässigen Geschäften für diesen besonderen Anlass sammelt. Der Erlös dient der guten Sache: der Stiftung für Ugandische Kinder, die der Inselarzt bereits 2006 ins Leben gerufen hat und für die er sich mit ganzem Herzen einsetzt.
Pandemie auf Juist
Eingesetzt hat sich Dr. Paul Okot-Opiro besonders in der Coronazeit für die Gesundheit der Menschen. Der Lockdown kam kurz vor Ostern 2020. Sämtliche Touristen mussten kurzfristig die Insel verlassen und auf einmal war Juist – inmitten der Hochsaison – leer. Ungewohnt war das. Wie viele Insulaner erinnert sich das Arztehepaar gerade an den Beginn der Pandemie noch gut. „Wir sind am Ostermontag bei strahlendem Sonnenschein am Strand spazieren gegangen“, berichtet der Inselarzt lächelnd. „Das war vorher noch nie vorgekommen.“
Manchmal bin ich etwas unbequem, weil ich meine Meinung sage und unkonventionelle Wege gehe. – Dr. Paul Okot-Opiro
Die Phase nach dem Lockdown gestaltete sich abwechslungsreich. Es gab zahlreiche Auflagen zu beachten. „Schlimm war vor allem, dass die Wirtschaft eine größere Rolle spielte als die Medizin“, so der Inselarzt, der sich enttäuscht vom Verhalten der Politiker in der Coronazeit zeigt. Abstriche wurden im Testzentrum nicht richtig durchgeführt, Geräte zur Testauswertung durften nicht angeschafft und Proben nicht mit dem Fluzeug transportiert werden. Der Postweg oder der mit dem Schiff war zu lang. All dies erzählt er kopfschüttelnd und immer noch fassungslos. Dazu kam das Maskenthema auf der Fähre, Streitigkeiten mit dem Bürgermeister und Diskussionen mit dem Gesundheitsamt. Den Höhepunkt bildete dann die Verlegung eines schwerkranken Covid-Patienten von der Insel. Der Zustand war kritisch und ein Transportmittel nicht zu finden. Sieben Stunden wurde Dr. Paul Okot-Opiro immer wieder vertröstet, bis er schließlich bei der Polizei anrief und Anzeige erstattete. Dann kam der Hubschrauber endlich. „Manchmal bin ich etwas unbequem, weil ich meine Meinung sage und unkonventionelle Wege gehe“, sagt er mit verschmitztem Blick.
Ein bisschen Zeit…
Trotz aller Hürden und Hindernisse war seine Entscheidung für Juist die Richtige. Hat der Inselarzt ein wenig Freizeit, dann kocht er gerne aufwändig – mal Fisch oder Juister Reh, fährt Fahrrad oder ist einfach nur faul. Besonders genießt der naturverbundene „Fast-Insulaner“ unbeschwerte lange Spaziergänge am Meer mit seiner Familie. „Ich suche gerne Bernstein und tatsächlich habe ich mal ein prächtiges Exemplar gefunden. Das hat mich sehr glücklich gemacht“, blickt er zurück. Und glücklich ist er jeden Tag darüber, auf diesem traumhaften Eiland leben, arbeiten und vor allem helfen zu dürfen.
Manfred Boldt läuft Marathon und das seit mehr als 30 Jahren. Auch seine Krebserkrankung konnte ihn nicht stoppen. Kämpfen gehört für ihn zum Leben dazu.
Manfred Boldt bindet sich vor der Haustür seine Laufschuhe, stellt sich hin, atmet tief ein und startet langsam durch. Gleich um die Ecke beginnen der Wald und die Wiesen. Die Vögel zwitschern, Eichhörnchen kreuzen den Weg, auf dem Feld stehen Rehe. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint – Natur pur in Hesel in Ostfriesland. „Es ist herrlich“, lacht Boldt. „Ich genieße die frische Luft und das alles noch mehr seit meiner Krankheit“, sagt der 72-Jährige im Vorbeilaufen. Fünf bis zehn Kilometer ist seine Hausrunde Richtung Firrel lang. Er trainiert zur Zeit drei- bis viermal in der Woche gemäß dem Motto „Einmal Läufer, immer Läufer“.
So fing alles an
Das war allerdings nicht immer so. „Als Kind war ich faul, was Sport anging. Mich wollte keiner in der Mannschaft haben“, erinnert sich Boldt augenzwinkernd. Das Einzige, was den 1949 in Hohengaste geborenen Jungen damals interessiert hätte, wäre Fussball gewesen, aber das wollten seine Eltern nicht. Viele Jahre hat Boldt dem Sport den Rücken gekehrt. Als Schriftsetzer bei der Ostfriesenzeitung hatte er wenig Bewegung und war mit 93 kg eher übergewichtig. Das war vor rund 30 Jahren. Damals begann sein laufbegeisterter Chef zu sticheln, dass Boldt den bevorstehenden „Ossiloop“ bestimmt nicht schaffen würde. ‚Dem zeig ich es‘ hat Boldt damals gedacht und mit einem harten Trainingsprogramm begonnen. „Anfangs bin ich 500 Meter gelaufen, dann 1000 und immer so weiter“, erinnert sich der heute durchtrainierte Rentner, an das Jahr 1990. Stolz erzählt er, für den Ostfriesland Heimat bedeutet, wie er vier Monate später beim „Ossiloop – von Leer nach Bensersiel“ an den Start ging, und es nach sechs Stunden 11 Minuten und 44 Sekunden doch ins Ziel geschafft hat.
Ossiloop
Klaus Beyer, ein Lehrer in Ostfriesland, schaffte dieses neue Format. Am 1. Juni 1982 gab es den ersten Lauf von Leer ans Meer mit 24 Dörlopern. 25 Jahre später ist der Lauf mit über 1000 Teilnehmer das größte Laufereignis in Ostfriesland. 2006 übergab Beyer die Organisation an Edzard Wirtjes, der die Organisation in Zusammenarbeit mit dem Verein Fortuna Logabirum seit 2007 leitet. Klaus Beyer verstarb im Oktober 2013 an einem Krebsleiden.
Damit war das Eis gebrochen. Boldt wurde mit über 40 Jahren zum begeisterten Sportler. Laufen stand nun an der Tagesordnung. Entgegen kam ihm seine Mittagsschicht bei der Zeitung, so dass er morgens sein persönliches Laufprogramm absolvieren konnte. Jeden Morgen um acht Uhr lief er eine Stunde lang zwischen fünf und zehn Kilometer weit. „Danach habe ich mich gut gefühlt und war fit“, so Boldt. „Das Laufen hat mir den gewissen ‚Kick‘ gegeben.“ Sonntags trainierte er dann in einer Gruppe. Dort erfuhr er von Marathonläufen. Die Teilnahme daran wurde zu seinem nächsten erklärten Ziel. In Vorbereitung darauf steigerte er zwei seiner wöchentlichen Trainingseinheiten auf je 30km Länge, für die er drei Stunden unterwegs war. 1992 war es dann soweit. In Steinfurt bei Münster lief er seine ersten 42,195 km in knapp unter vier Stunden (3:59:30). „Es war der Hammer“, lacht der Ostfriese, der den Moment, als er dieses erste Abzeichen für die erfolgreiche Teilnahme an einem Marathon in den Händen hielt, als sehr bewegend beschreibt.
Ziele setzen
An 75 Marathons hat Boldt bnis heute u.a. in Luxemburg, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland teilgenommen. 1993 stand dann sein erster 100-Kilometer-Lauf auf dem Programm. 12 Stunden ist er bei diesem Volkslauf in Winschoten (Niederlande) am Stück gelaufen. Lediglich für Trinkpausen gab es kurze Stopps. „Das war herrlich, weil es ein riesiges Straßenfest war. Musikkappellen haben gespielt, die Menschen vor den Häusern gesessen und die Läufer angefeuert. Das ist dort immer eine besondere Atmosphäre“, beschreibt Boldt dieses Ereignis. Wie er das geschafft hat? „Man muss den Kopf ausschalten, dann geht’s weiter“, erklärt er.
Das war aber noch nicht alles. Ab 1995 folgten auch 24-Stunden-Läufe. Dabei handelt es sich um sogenannte Ultramarathons, bei denen die Läufer in 24 Stunden eine möglichst weite Strecke zurücklegen. ‚Was Ihr könnt, kann ich auch‘ dachte sich Boldt und machte zweimal bei einem solchen Lauf mit. Strecken von 150 bzw. 170 Kilometern hat er dort zurückgelegt. Kritisch wurde das Durchhalten nur, als es dunkel wurde, sagt er selbst. Doch dann wäre es umso schöner gewesen, wie sich die Läufer gegenseitig angespornt und motiviert hätten. Aber auch das war Boldt noch nicht genug. Er wollte sich noch weiter steigern, doch dann hat ihm das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Diagnose Krebs
Als Boldt 2005, mitten im Training für einen 48-Stunden-Lauf, von heute auf morgen die Diagnose Krebs bekam, fiel er erstmal in ein Loch. Therapien und viele Krankenhausaufenthalte folgten. „Aber den Mut hab ich nie verloren“, stellt er rückblickend fest. Ein Leben ohne das Laufen konnte und kann Boldt sich nicht vorstellen. „Ich hab von Anfang an gesagt: ‚Ich komme zurück‘“, berichtet er weiter. Ein Marathonläufer muss Durchhaltevermögen haben und kämpfen können. Diese Eigenschaften sowie die Unterstützung seiner Frau und Tochter haben ihm durch diese Krise geholfen.
Sein Rat für alle Menschen, die ähnlich schlimme Zeiten durchleben:
niemals aufgeben
es gibt immer einen Weg
stets nach vorne schauen und weitermachen
fröhlich bleiben
und nie den Mut verlieren!
Keine drei Jahre später begann er seine „zweite Läuferkarriere“ wieder genau dort, wo sie aufgehört hatte, nämlich 2008 in Wellen. „Dieses Ziel hatte ich die ganze Zeit vor Augen“, unterstreicht Boldt. Bereits während der Therapie animierte ihn sein Onkologe wieder aktiv zu werden. „Lothar sagte eines Tages zu mir:‘Besorg dir Stöcke und geh walken‘“, erzählt Boldt. „Das machte ich und so schaffte ich schnell den Wiedereinstieg in den Sport, der mir Kraft gab.“ Auch während seiner einmonatigen Reha-Maßnahme in Bad Homburg schickten ihn seine Ärzte, die selbst Triathleten waren, zum Laufen in den nahegelegenen Wald. „Für dieses Verständnis und ihre Motivation bin ich dankbar“, betont Boldt, der sich nun ein neues Ziel gesteckt hat: den „17. swb-Marathon“ am 2. Oktober 2022 in Bremen.
Marathonlauf
Der Marathonlauf (kurz „Marathon“ genannt) ist eine auf Straßen oder Wegen ausgetragene sportliche Laufveranstaltung und zugleich die längste olympische Laufdisziplin in der Leichtathletik, deren Streckenlänge 1921 auf 42,195 Kilometer festgelegt wurde.
Die Distanz ist bei den Olympischen Spielen 1908 endgültig festgelegt worden. Ergeben hat sich diese durch die Entfernung zwischen dem neuerbauten Olympiastadion und dem Startpunkt vor der königlichen Loge.
Quelle: wikipedia
Zweimal um die Erde und zurück?
„Bestimmt bin ich insgesamt bereits zwei- bis dreimal um die Erde gelaufen“, lacht Boldt, den auch die Pandemie bei der Ausübung seines Sports weitestgehend nicht eingeschränkt hat. Denn ‚jwd‘-Laufen gehe immer. Bedauerlich sei allerdings, dass der Lauftreff bei der Lebenshilfe zur Zeit nicht stattfinden darf. Dort engagiert sich Boldt zusätzlich als Begleitläufer für Menschen mit Behinderungen und ist bei deren Wettkämpfen mit von der Partie. „Diese Menschen sind so dankbar, es macht einfach einen Riesenspaß“, sagt ‚de Loper abschließend.
Meist malt Fenna Harms ostfriesische Motive, wenn sie auf Reisen ist und erschafft damit Kunst, die für Ostriesen in aller Welt ein Stück Heimat bedeutet.
Ihr Hobby ist ihre Berufung und vielleicht bald ihr Beruf, von dem sie leben kann. Der Grundstein ist gelegt. Sie ist auf dem Weg, ihren Traum in die Tat umzusetzen. „Als Künstlerin selbständig zu sein und davon leben zu können, wäre großartig“, sagt Fenna Harms. Vor allem aber möchte sie glücklich in ihrem Job sein.
Einfach machen
Fenna Harms sprüht vor Kreativität und Energie. Die 22jährige Ostfriesin packt die Dinge im Leben an und zieht sie durch. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann klemme ich mich dahinter, und es geht ganz schnell“, erklärt sie lachend. So hat sie gerade mit der Entwicklung eines neuen Tools für ihre Website begonnen und dieses in eineinhalb Wochen implementiert. Harms ist autodidaktisch unterwegs. „Ich bringe mir gerne Sachen bei“, sagt sie selbst. Im Internet fände man immer entsprechende Anleitungen. Will sie etwas Neues lernen, probiert sich Harms aus. So ist sie zur digitalen Kunst gekommen.
Später war die Kunst
Dabei haben die Kunst und das Kreative lange Zeit kaum eine Rolle in ihrem Leben gespielt. In Schulzeiten war Harms eher naturwissenschaftlich orientiert. Nach dem Abitur wollte sie erst Medizin studieren, hat dann aber doch einen anderen Weg eingeschlagen. „Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber“, blickt sie zurück. Denn hätte sie damals gleich angefangen zu studieren, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen.
So ging Harms zunächst als AuPair für ein Jahr nach London, genauer gesagt nach Wimbledon. Dort lebte sie in einer vierköpfigen Familie, in der sie sich vorwiegend um die Tochter im Grundschulalter kümmerte. Mit dem Mädchen malte und bastelte sie täglich, was beiden großen Spaß bereitete. „Einmal pro Woche bin ich mit zwei Freundinnen ins Kunstmuseum gegangen“, erinnert sich Harms an diese besondere Zeit in England.
Das war der Beginn einer großen Leidenschaft. Sie sprudelte plötzlich vor Ideen, denn Inspirationen gab es in der britischen Hauptstadt genug. Mit der Gestaltung ihres ersten Bullet Journal, einem Notizbuch zur Planung von Terminen, Erinnerungen, Listen, Brainstormings und anderen organisatorischen Aufgaben, kam der Stein ins Rollen. „Meine Freundinnen sagten damals, dass ich es unbedingt zeigen müsse“, freut sich Harms. Das war der entscheidende Moment, in dem sie ihrem Leben eine neue Richtung gab. „Meinen ersten Post auf Insta habe ich noch aus London heraus gemacht“, berichtet die junge Künstlerin. Ein Etsy-Shop folgte, indem sie 2019 erste Sticker und Magnete anbot, während sie ein Studium der Ernährungswissenschaften in Gießen begann. Ganz los ließ sie die Naturwissenschaft nämlich nicht. „Ich wollte doch erst eine fundierte Ausbildung als Basis haben. Denn ich wusste ja noch nicht, wie sich meine Kunstidee wirklich entwickeln würde“, sagt Harms.
Etsy
Etsy ist der weltweite Marktplatz für einzigartige und kreative Waren. Dort finden sich einzigartige, außergewöhnliche, handgemachte Stücke als Geschenkideen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Menschlichkeit im Handel.
Mit großen Schritten ging es in der Pandemie für die gebürtige Ostfriesin voran. „Das war der positive Aspekt dieser schwierigen Zeit“, sagt sie selbst. Als die Uni schloss, hatte die Studentin Zeit, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Sie nutzte den Lockdown. „Mit meiner Familie und meinen Freunden konnte ich Ideen spinnen“, lacht sie. Sie probierte Techniken aus und entwarf viele Motive für spätere Kunstdrucke. Aber sie entschied auch, was sie nicht weiterverfolgen wollte. „Ich liebe Tüddelkram, aber meine Kunst sollte keiner sein“, erklärt sie lachend. Ihr ganz persönliches Ziel ist es, Kunst zu schaffen, die qualitativ hochwertig und nachhaltig ist.
Umweltbewusst, nachhaltig und sozial engagiert
Der Umweltaspekt ist ein zentrales Thema für Harms. Sie beschäftigt sich intensiv mit Papieren und Druckarten und auch mit dem Recycling von Materialien. Folien verwendet sie zum Beispiel mehrmals, auch verschickt sie ihre Kunstwerke durchaus in Verpackungen, die sie schon mal benutzt hat. „Ich bin achtsam und versuche die Umwelt, so gut es geht, zu schonen. Wir haben nur eine Erde!“, beschreibt sie ihre Motivation. Ihre Blöcke und Postkarten lässt Harms auf 100%-Recycling-Papier drucken. Für ihre Kunstdrucke gestaltete sich die Suche nach einem Papier, das eine gute Haptik besitzt und umweltschonend ist, nicht ganz so einfach. Sie hat sich für einen Kompromiss entschieden, der Qualität und Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Aus diesem Grund geht Harms von der Massenware weg und bietet ihre Kunstdrucke in kleinen limitierten Auflagen an – auf einem Papier, für das weniger Chemikalien bei der Herstellung verwendet werden als für andere.
Ich bin achtsam und versuche die Umwelt, so gut es geht, zu schonen. Wir haben nur eine Erde!
Aber nicht nur die Umwelt umtreibt die Künstlerin, sondern auch die Menschen. „immer wieder höre ich von jungen Frauen, dass sie es toll finden, was ich tue, dass sie selbst auch eine Leidenschaft haben, aber sich nicht trauen, etwas daraus zu machen“, berichtet Harms, die vor kurzem ihre Kunst bei der Landpartie Schloss Gödens präsentiert hat. Da möchte sie unterstützen. „Ich will diesen Frauen helfen, ihr Ding zu machen“, betont Harms. Angefangen, anderen Menschen zu helfen, hat sie bereits vor kurzem mit einer ersten Spendenaktion, bei der 1 Euro jedes Drucks an eine gemeinnützige Organisation in ihrem Heimatort Wiesmoor geflossen ist.
Heimatverbunden
Harms ist gerne in der Welt unterwegs. London und Paris haben es ihr angetan. Wo sie ihre Zelte demnächst aufschlagen wird, wenn sie ihre Bachelor-Arbeit und damit ihr Studium abgeschlossen hat, weiß sie noch nicht genau. Aber eines ist sicher: „Ostfriesland ist und bleibt meine Heimat. Hier werde ich immer wieder sein“, betont sie. Als sie für einen Schüleraustausch in Brasilien war, ist ihr dies besonders bewusst geworden. „Es ist so schön, dass man hier immer überall anklopfen kann und einen Tee bekommt“, sagt sie lächelnd. Sie liebt die ostfriesische Gemütlichkeit und die Natur. Wenn sie auf Reisen ist, malt sie verstärkt ostfriesische Motive. So sind u.a. die ostfriesische Teerose und die Teetassen entstanden. „Das ist wohl meine Art, mit dem Heimweh umzugehen“, sagt sie.
Wiesmoor
Wiesmoor ist die jüngste Stadt Ostfrieslands und mit 13.372 Einwohnern die zweitkleinste nach Esens. Sie liegt im mittleren Teil des Ostfriesischen Zentralhochmoores, das auf einem Höhenrücken, dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Geestrücken, verläuft. Entstanden ist Wiesmoor im Zuge der Industrialisierung durch die industrielle Abtorfung des Moores.
Von Blumen, Tieren und anderen Motiven
Mit einer Floristin als Mutter sind Blumen für Harms seit ihrer Kindheit täglich präsent. Da ist es nicht überraschend, dass sie ganz unterschiedliche Blüten mit Vorliebe malt – mit Bienen oder ohne. Aber auch Tiere stehen bei Harms hoch im Kurs. Neben Hunde- und Pferdemotiven, die oft als Geburtstagsgeschenke bei Harms in Auftrag gegeben werden, dreht es sich immer wieder um die typisch ostfriesische Teetasse gefüllt mit Ostfriesentee – mal von oben, mal von der Seite, mal mit Wölkchen, mal schwarz.
In London ist Harms dann die Idee für ihren ganz persönlichen Stadtplan gekommen. Sie hat einen Ausschnitt des Londoner Stadtplans nachgezeichnet und diesen mit Motiven versehen, die aus ihrem Blickwinkel charakteristisch für die Stadt bei ihrem Besuch waren und nicht nur zu den typischen Sehenswürdigkeiten gehören. „Für mich war das eine Art der Orientierung. Ich mag wissen, wo ich stecke“, berichtet Harms, deren Vater schon in ihrer Kindheit Landkarten von oben gemalt und damit sicher auch einen Anstoß in diese Richtung gegeben hat.
Individueller Blick auf Ostfriesland
Was mit London anfing, hat Harms dann für Ostfriesland adaptiert. So entstand ihre erste Ostfriesland-Landkarte mit Motiven, die die Ostfriesin mit ihrer Heimat verbindet. Dazu gehören Leuchttürme, Windräder und Windmühlen, Kühe, Möwen, Fischkutter sowie natürlich die mit Ostfriesentee gefüllte Teetasse. Seit kurzem kann nun jeder Ostfrieslandbegeisterte seine ganz persönliche Ostfriesland-Landkarte zusammenstellen. Rund 40 Motive hat Harms entworfen, aus denen der Kunde wählen und die er entsprechend auf der Landkarte platzieren kann. „Wer zum Beispiel auch sein eigenes Haus abgebildet haben möchte, kann einfach ein Foto hochladen und ich male es für diesen Kunden“, erklärt Harms das Konzept. So entstehen mit Hilfe dieses speziell entwickelten Tools individuelle Kunstwerke, die ein wunderbares Geschenk darstellen „Oder die ein Stück Heimat in der Ferne vermitteln“, unterstreicht Harms, die weiß, dass die Landkarte besonders bei Ostfriesen in aller Welt sehr beliebt ist.
Nähere Informationen über Fenna Harms und ihre Kunst sowie einen Onlineshop gibt es unter www.fennaharms.com.
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