Emden feiert den Matjes – und mit ihm die Seefahrt, den Handel und das bunte Leben am Hafen. Noch bevor die Matjesstände öffnen, ist Emden am Samstagmorgen voller Leben. Zwischen Flohmarkt, Museumshafen und ersten Matjesduftwolken zeigt sich die Stadt traditionsbewusst, offen und bereit fürs Fest.
Der Duft von frisch gebratenem Fisch liegt in der Luft, Möwen kreisen über den Masten, und zwischen maritimen Klängen und Flohmarktständen flanieren hunderte Menschen durch die Emder Innenstadt – es ist der Samstag während der Matjestage 2025. Und obwohl das bunte Treiben auf dem Festgelände noch in den frühen Morgenstunden steckt, ist das Flair der traditionsreichen Veranstaltung bereits überall zu spüren.
Die Matjestage laufen von Donnerstag bis Sonntag, das Fest beginnt an jedem dieser Tage um 11 Uhr. Doch wir sind früh dran: Am Samstagmorgen um 9 Uhr ist Emden bereits wach, aber die Buden noch nicht. Hinter den Kulissen wird eifrig aufgebaut, gespült, dekoriert und vorbereitet. Die ersten Lieferwagen entladen Getränke und Waren, Fahnen werden gehisst, Markisen aufgespannt. Die Spannung liegt in der Luft – es ist diese besondere Zeit zwischen Ruhe und Aufbruch, die ihren ganz eigenen Reiz hat.
Schon am frühen Vormittag füllt sich die Stadt. Zwischen Rathaus und Delft reihen sich die Stände des beliebten Innenstadt-Flohmarkts aneinander. Hier wird gestöbert, verhandelt und gefachsimpelt. Besonders Liebhaber von feinem Porzellan und Silberbesteck kommen hier auf ihre Kosten. Wer Zeit zum Stöbern mitbringt, kann wahre Schätze finden. Ob Teeservice, Schatulle, Schälchen oder Sahnelöffel – für jeden Sammler ist etwas dabei. Die Dekore sind vielfältig, aber eines darf nicht fehlen: Die ostfriesische Teerose.
Nicht weit entfernt glitzert das Wasser des Delft im Sonnenlicht. Im Museumshafen, der zu den schönsten in Norddeutschland zählt, liegen die historischen Schiffe eng aneinandergereiht. Dazwischen tummeln sich Gäste aus anderen Häfen: Traditionssegler aus Hamburg, Groningen oder Bremerhaven haben im Laufe der Woche festgemacht und verleihen dem Hafen ein internationales Flair. Viele Besatzungen sind in Vorbereitung auf die Matjestage angereist und präsentieren ihre Schiffe interessierten Besuchern.
Die Emder Heringsfischerei sicherte vielen Familien ihr täglich Lohn und Brot und blickt auf eine über 450 Jahre lange Tradition zurück.
Highlights im Museumshafen sind der ehemalige Seenotrettungskreuzer „Georg Breusing“ und das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“. Die „Georg Breusing“, benannt nach einem Begründer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, war Jahrzehnte im Einsatz und kann heute besichtigt werden. Das imposante Feuerschiff diente früher als schwimmender Leuchtturm auf hoher See – heute ist es ein maritimes Denkmal mit eindrucksvoller Geschichte und Aussicht.
Ein echter Hingucker sind auch die Emder Delftspucker-Figuren, die entlang des Hafenbeckens ihren Platz gefunden haben. Jede von ihnen mit einer eigenen Geschichte, individuell gestaltet und ein wenig verschmitzt. Sie gehören längst zum Stadtbild und werden besonders von Kindern bestaunt – und natürlich fotografiert.
Am anderen Ufer bereiten sich die Stände auf den nächsten Festtag vor. Noch sind viele Zelte geschlossen, aber erste Matjesbrötchen wechseln bereits den Besitzer. In der Luft liegt ein verheißungsvoller Vorgeschmack auf das, was kommt: Musik, Gespräche in unterschiedlichsten Sprachen, und immer wieder der Matjes in allen Varianten. Ob klassisch mit Zwiebeln, als Salat, im Wrap oder auf Schwarzbrot – für Fans des jungen Herings ist die Emder Spezialität ein Muss.
Doch die Matjestage sind mehr als Fisch. Sie sind ein Fest der Begegnung, der Geschichte und der offenen Häfen. Sie verbinden Emder mit Besuchern aus nah und fern, mit Seeleuten und Tagestouristen, mit Kunsthandwerkern und Musikkapellen. Wer an diesem Samstag durch Emden schlendert, spürt genau das: Die Stadt lebt, und sie lädt ein.
Die Fotostrecke zu diesem Beitrag zeigt Eindrücke von einem Tag, an dem Emden sich bereits im Festgewand präsentierte. Ein Streifzug voller Kontraste: von alten Fischkuttern und modernen Marktbuden, von staunenden Kindern und konzentrierten Skippern, von kulinarischen Köstlichkeiten und kleinen Flohmarktschätzen. Emden, so zeigt sich: ist bereit für den Matjes.
Ebbe, Flut und ferne Lichter – der Jadebusen ist ein Ort voller Geheimnisse. Und mittendrin, fast wie aus der Zeit gefallen, steht der Leuchtturm Arngast. Er ist mehr als ein maritimes Bauwerk: Er erzählt von verschwundenen Dörfern, von der Kraft des Meeres und von Menschen, die der Nordsee trotzen. Wer zwischen Dangast und Wilhelmshaven am Deich entlanggeht, ahnt kaum, welch bewegte Geschichte sich hinter dem rot-weißen Turm im Wasser verbirgt.
Weit draußen im Jadebusen steht er, der Leuchtturm Arngast. Rot-weiß gestreift erhebt er sich majestätisch aus der Nordsee und trotzt seit über hundert Jahren Wind und Wellen. Wer an der Küste nahe Dangast entlangspaziert und den Blick über das Wattenmeer schweifen lässt, entdeckt ihn unübersehbar – ein einsamer Wächter über einem geheimnisvollen Stück Meeresgrund.
Denn dort, wo heute die Nordsee bei Flut weit ins Land hineinreicht, lag einst das Dorf Arngast. Im Mittelalter siedelten hier Menschen, lebten vom Fischfang und der Landwirtschaft. Doch Sturmfluten nagten beständig an ihrem Zuhause, bis schließlich das Meer das Dorf im Jahr 1613 endgültig verschlang. Heute erinnern nur noch historische Karten und die Erzählungen der Einheimischen an das Schicksal dieser untergegangenen Siedlung.
Der Bau des Leuchtturms Arngast begann 1909, als die zunehmende Schifffahrt im Jadebusen dringend eine Orientierungshilfe benötigte. In nur einem Jahr wurde der Turm errichtet – ein architektonisches Meisterwerk, das auf festen Stahlpfählen tief im Meeresboden verankert wurde. Stolze 36 Meter misst der Turm in der Höhe, und sein Leuchtfeuer weist noch heute Schiffen sicher den Weg nach Wilhelmshaven und zurück aufs offene Meer.
Von Dangast aus, dem idyllischen Künstlerdorf direkt an der Küste, ist der Leuchtturm besonders gut zu beobachten. Dangast selbst ist berühmt für sein historisches Kurhaus, in dem Künstler wie Franz Radziwill und Karl Schmidt-Rottluff ein und aus gingen und wo man bis heute Kaffee und Kuchen mit Blick auf das Wattenmeer genießen kann. Wer hier verweilt, den Blick auf Arngast gerichtet, spürt etwas von der Wehmut und der Faszination, die von diesem besonderen Ort ausgeht.
Vor allem bei Ebbe wagen sich viele Wanderer mit erfahrenen Wattführern hinaus in Richtung Arngast, um sich dem imposanten Leuchtturm aus der Nähe zu nähern. Doch Vorsicht ist geboten – der Weg ist anspruchsvoll und nur bei günstigen Bedingungen sicher passierbar. Wer jedoch das Abenteuer wagt, erlebt die einmalige Verbindung zwischen Geschichte und Natur hautnah.
Der Leuchtturm Arngast ist nicht nur ein maritimes Wahrzeichen, sondern auch ein stiller Zeuge vergangener Zeiten, der Besucher und Einheimische gleichermaßen fasziniert. Ein Ort voller Geschichten, der dazu einlädt, innezuhalten und in die Weite des Horizonts zu blicken – dort, wo einst das Meer ein ganzes Dorf verschluckte und heute ein Leuchtturm seine Botschaft über die Wellen sendet.
Starke Boote, leuchtende Flaggen und bewegende Geschichten: Am 28. Juli 2024 lud die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zum traditionellen Tag der Seenotretter – auch in Wilhelmshaven. Hunderte Besucher erlebten hautnah, wie viel Mut, Teamgeist und Technik hinter den Einsätzen auf Nord- und Ostsee stecken.
🚨 Rettung hautnah
Am Standort Wilhelmshaven öffnete die DGzRS ihre Türen und Luken. Besucher konnten die modernen Seenotrettungskreuzer und -boote besichtigen, darunter auch die „Bernhard Gruben“ und weitere Einheiten der Station Wilhelmshaven.
Die freiwilligen und fest angestellten Rettungskräfte führten Übungen vor, erklärten Technik und sprachen über ihre Erlebnisse auf See.
⚓ Ein Tag für die ganze Familie
Mitfahren auf dem Seenotkreuzer – ein echtes Highlight für viele Gäste
Mitmachaktionen für Kinder: Knoten lernen, Rettungswesten testen, Rettungsboote en miniature steuern
Vorträge & Infostände über Sicherheit auf dem Wasser, Notruftechniken und die Arbeit der DGzRS
Maritimes Rahmenprogramm mit Shanty-Chören, Fischbrötchen und Blick auf das Marinearsenal
💬 Stimmen vom Kai
„Es ist Wahnsinn, wie engagiert die Leute hier sind – alles für den guten Zweck und oft ehrenamtlich!“ — Besucher am DGzRS-Infostand
„Ich wusste gar nicht, dass die Seenotretter sich rein über Spenden finanzieren. Das verdient Respekt – und Unterstützung.“ — Urlauberin aus Süddeutschland
🧭 Warum es diesen Tag braucht
Der Tag der Seenotretter findet jährlich am letzten Sonntag im Juli statt – in über 50 Stationen an Nord- und Ostsee. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen, Danke zu sagen und um Unterstützung zu werben. Denn: Die DGzRS arbeitet ausschließlich spendenfinanziert.
Jede Rettungsweste, jeder Einsatz, jedes gerettete Leben ist das Ergebnis des Engagements vieler freiwilliger Helfer.
Der Tag der Seenotretter in Wilhelmshaven war mehr als ein Hafenevent – er war eine Würdigung für Menschen, die rausfahren, wenn andere reinkommen. Ein Tag für die Retter. Und für uns alle.
Seit 30 Jahren kann man auf dem Ekenhoff reiten und seine Ferien verbringen. Inzwischen kommen viele Gäste bereits in der zweiten Generation.
„Ekenhoff“ ist plattdeutsch und bedeutet „Eichenhof“. Der Name ist Programm, denn die Zufahrt zum Hof ist von Eichen gesäumt. Wer hier Ferien macht, wird bereits mit dem Einbiegen in die Zufahrt entschleunigt. Etwas außerhalb von Esens, mitten im Grünen, liegt der Ferienhof von Detlef Janßen und Elke de Buhr.
Pures Glück
Wenn die Kinder glücklich sind, haben auch die Eltern entspannte Ferien. „Genau diese unbeschwerte Zeit bieten wir unseren Gästen auf unserem Hof“, sagt Elke de Buhr. Viele Gäste kommen bereits in der zweiten Generation hierher und buchen bei Abfahrt gleich wieder für das nächste Jahr. Annika macht, seit sie 15 Jahre alt ist, jedes Jahr auf dem Ekenhoff Urlaub. „Inzwischen bin ich 37 und genieße die Zeit hier mit meiner Tochter Frida“, sagt sie lachend. Frida ist – wie viele Mädchen – eine kleine Pferdenärrin, die über das ganze Gesicht strahlt, wenn sie hoch zu Ross sitzt. Man sieht ihr das Glück an. Aber nicht nur die kleinen Mädels fühlen sich beim Reiten entspannt und zufrieden, auch bei den Großen wirkt die Leidenschaft für die Pferde ansteckend. So ging es Steffi aus Bremen, die nach ihrem ersten Urlaub auf dem Ekenhoff vor vielen Jahren ihre Liebe zu Pferden und der Reiterei wieder neu entdeckt hat. Kurzentschlossen kaufte sie daraufhin mit ihrer Familie ein eigenes Pferd, das sie seitdem immer mit auf den Ekenhoff bringen. „Urlaub mit eigenem Pferd – auch das ist bei uns möglich“, sagt Elke de Buhr lachend.
Wer kein eigenes Pferd hat, kann sich schnell mit einem der 13 Ponys auf dem Hof anfreunden. „Am besten funktioniert das beim Striegeln und verwöhnen der Ponys vor und nach den Ausritten“, erklärt de Buhr. Während sie das erzählt, striegeln rund 10 Kinder im Hintergrund hingebungsvoll Pferderücken und kratzen Hufe aus. Das friedliche Treiben strahlt Ruhe aus. Diese freundliche Zuwendung und die gemeinsame Zeit mit den Tieren lässt schnell enge Bande entstehen. „Die Reiter wie die Familien lernen die Pferde kennen, nach einigen Tagen können zumindest die Kinder jedes Pony mit seinem Namen anreden“, schmunzelt sie. Flicka, Cleo, Martin, Molly, Spuky, Trixi…
Morgendliche Ausritte
Jeden Morgen um 10 Uhr bricht ein Team des Ekenhoffs mit den Gästen zur sogenannten Ponywanderung auf. Etwa eine Stunde dauert die Runde, die durch den naheliegenden Schooer Wald führt und die für Anfänger wie Fortgeschrittene geeignet ist. Die Reiter erwartet ein naturbelassenes Waldstück mit malerischen Wegen und Vogelgezwitscher – Entspannung pur. „Und langweilig wird es nie“, bestätigt ein junges Mädchen, das an diesem Tag auf der 18-Jährigen Chica sitzt und auch schon seit sechs Jahren mit ihrer Familie auf den Ferienhof kommt. „Im Wald zu reiten, ist toll.“
Ungefähr eine halbe Stunde bevor die Wanderung startet, beginnt reges Treiben bei der Sattelkammer und auf dem Putzplatz. Pferde werden von der Koppel geholt, Sattel und Decken geschleppt und Trensen sowie Führstricke bereitgelegt. Und natürlich werden die Ponys gestriegelt und gestreichelt. Am sogenannten Ponybahnhof wird aufgesessen. Dort liegt ein dicker Baumstamm, der das Aufsteigen erleichtert. Sind alle Reiter fest im Sattel, setzt sich die Karawane in Bewegung. Im Schritt wandern Reiter, Ponys, und Begleiter los. Bunt und fröhlich sieht die Gruppe aus, die den Hof über die lange Einfahrt Richtung Wald verlässt. Kinderlachen, und munteres Geplapper hört man – aber kein Hufgetrappel. Warum? „Weil unsere Ponys keine Hufeisen haben“, erklärt Elke de Buhr. Auf den Waldböden und Feldwegen brauchen sie diese nicht. Statt eines neuen Hufbeschlags bekommen die Ponys alle sechs Wochen eine Pediküre vom Hufpfleger.
Am Anfang der Woche startet die Ponywanderung mit einer einfachen Strecke. Mit jedem Tag steigt der Schwierigkeitsgrad. „Insgesamt stehen uns ca. 8 Touren zur Auswahl, die wir variieren können“, erklärt de Buhr. Die Vögel singen, die Sonne spielt mit Licht und Schatten zwischen den hohen Nadelbäumen. Der Weg ist etwas feucht. Es hat die letzten Tage viel geregnet. Aber das stört hier keinen, denn das kann in Ostfriesland auch im Sommer passieren. Das norddeutsche Wetter ist oft wechselhaft. Wer in Esens schon seit Jahren Reiterferien macht, hat das richtige Schuhwerk und auch eine Regenjacke im Gepäck.
Nur schmutzige Pferde sind glückliche Pferde
Die Tour führt zunächst am Waldrand entlang und biegt dann in einen Waldweg ein. Eine Bäke und viele Nadelbäume säumen den Weg. Dann geht dieser in einen Pfad mit vielen kleinen Gräben über. Die Anforderung dieser Tour ist höher, das Gelände ist uneben und somit eine kleine Herausforderung für die Reiter. Doch die Ponys kennen jede Hürde und meistern diese ruhig und gelassen, wenn auch sehr individuell. Martin springt leicht über die Unebenheiten. Cleo macht einfach einen großen Schritt und Molly versucht sich daran vorbeizuschlängeln. Aber alle achten dabei auf ihre Reiter. Sogar der vierjährige Aaron hat die Tour mit dem 27 Jahre alten Shetlandpony Martin mit viel Spaß gemeistert. Wenn die Gruppe zurückgekehrt ist, sind Pferde und Reiter meist ein wenig geschafft, aber glücklich. Zum Ausklang wird noch einmal geputzt, und den Ponys merkt man bereits die Vorfreude auf das frische Grün auf der Weide an.
Im Trab und Galopp zum Wasserloch
Im Anschluss an die Ponywanderung finden weitere Ausritte für erfahrenere Reiter statt. Dann stehen Trab und Galopp auf dem Programm. Ein Highlight ist die Tour zum Wasserloch. „Wer sicher Galopp reitet, hat viel Spaß bei dieser zweistündigen Tour“, sagt Elke de Buhr. „Der Fahrverein hat dort mal eine Wasserstelle angelegt, durch die man sogar mit der Kutsche fahren konnte.“ Die Ponys können dort durch das Wasser laufen, was besonders an heißen Tagen für Begeisterung bei Menschen und Tier sorgt. „So manch ein Reiter ist hier schon nass geworden“, erzählt de Buhr lachend. Meist legt die Gruppe dort eine längere Pause ein, um vor dem Rückweg zu verschnaufen und den Pferden beim Toben und Trinken zuzuschauen. Außer dieser Tour gibt es noch andere attraktive Routen für Ausritte, entlang der renaturierten Moorweiden im Naturschutzgebiet Ochsenweide bis hinein in den Schafhauser Wald.
Wie die Pferde zu uns kamen
Als Christian Janßen, Detlef Janßens Vater, 1993 in Rente ging, hatte er die Idee, Pferde anzuschaffen. „Mein Vater wollte noch etwas tun“, blickt sein Sohn zurück. Pferde mochte Christian Janßen schon immer sehr. Er wollte eine Kutsche bauen und kaufte kurzentschlossen zwei Haflingerfohlen: Asta und Mira. Die beiden sollten als Kutschpferde ausgebildet werden. Mit ihnen bot die Familie Janßen später Planwagenfahrten an. „So kam das mit den Pferden ins Rollen“, sagt Detlef Janßen, der den Hof heute in der fünften Generation bewirtschaftet. Seine Großeltern und seine Eltern führten dort vorher einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Kühen und Sauen. Detlef Janßen übernahm diesen 1990 als staatlich geprüfter Landwirt. Da Pferde auch Detlef faszinierten, schafften sie weitere an. Das erste Pony hieß „Mücke“ und war ein Shetland Pony. Bald kamen die beiden Shettys „Ernie“ und „Bert“ dazu. Als Ernie vom Anhänger lief, sagte Detlefs Mutter Ilfriede damals: „Das Pony ist so häßlich, das will ich nicht behalten.“ Ernie war rundlich oder eher etwas dick und nicht besonders hübsch. „Aber es hatte einen tollen Charakter und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Im Nachhinein war Ernie unser allerbestes Reitpony“, erinnert sich der Landwirt. Mit Flicka ging es später seiner Frau ähnlich. Als er die gescheckte Stute mitbrachte, lehnte Elke de Buhr diese ab. Sie fand keinen Zugang zu dem neuen Pony. Nur langsam näherten sich die beiden an. „Heute ist unsere 16-Jährige Flicka ein großartiges Reitpony. Ich habe sie schätzen und lieben gelernt“, betont de Buhr. Mit den Ponys kam damals die Nachfrage nach Ferienwohnungen auf. Da Detlef Janßen die Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirtschaftsleiter mit dem Schwerpunkt „Urlaub auf dem Bauernhof“ auf der Fachschule Landwirtschaft in Jever absolviert hatte, wurde dieses ein Projekt für die Zukunft.
Dann lernte Janßen auf dem Schützenfest in Esens 1996 die gelernte Hotelfachfrau Elke de Buhr kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die beiden wurden ein Paar. Ein Jahr später bauten sie gemeinsam den Kornboden über dem Stall in die erste Ferienwohnung um. 1998 folgte der Bau eines neuen Hauses mit Ferienwohnung für sie selbst. Peu à peu ging es weiter. Alle Umbauarbeiten und Ausbauarbeiten erledigten die beiden selbst. Heute stehen ihren Gästen sieben Ferienwohnungen in unterschiedlichen Größen zur Verfügung. 2015 wich der Schweinestall einem Stall für Pensionspferde. De Buhr und Janßen, die mittlerweile vier erwachsene Kinder haben, gestalteten den Ekenhoff, dem Detlef Janßens Vater seinen Namen gab, in einen Ferienhof mit Reitangeboten und Bauernhoftieren um. Neben Aushilfen haben die Hofeigentümer seit dem letzten Winter eine festangestellte Mitarbeiterin und seit März haben sie von Pensions- auf Selbstversorgerstall umgestellt.
Ein Leben mit den Pferden
„Nur schmutzige Pferde sind glückliche Pferde“, meint Elke de Buhr lachend. In ihrer Familie, zu der auch der Münsterländer Leo gehört, dreht sich alles um die Pferde und natürlich auch die anderen Tiere wie das Schwein Sissi, die Gänse, Hühner, Ziegen und neun Schottische Hochlandrinder. Das Paar kann so manche Anekdote von ihren Pferden erzählen: beispielsweise über den Isländer Spuky. Spuky sollte ein schwieriges Pony sein. Die Vorbesitzer hatten versucht, es zu verkaufen und untergestellt – erfolglos. Als es in einem rund fünf Kilometer entfernten Stall nicht mehr bleiben konnte, entschieden sie sich, den Isländer zu übernehmen. Der damalige Besitzer kam mit dem Pony durch den Schooer Wald zu Fuß nach Neugaude gelaufen. „Es war ein bisschen wie in der Weihnachtsgeschichte. Es hatte geschneit und war kurz vor Weihnachten“, erinnert sich Elke de Buhr. Irgendwann kam der Anruf, dass sie sich verlaufen hätten. „Detlef machte sich auf die Suche, fand die beiden und brachte Spuky auf den Ekenhoff. De Buhr und Janßen lernten das Pony kennen und freundeten sich mit ihm an. Bis heute ist der Rappe bei uns, fühlt sich pudelwohl und ist ein ganz beliebtes Reitpony“, so de Buhr augenzwinkernd.
„Unsere drei Töchter und auch unser Sohn sind leidenschaftliche Reiter und haben immer gerne mitgeholfen. Wenn sie Zeit haben, tun sie das auch heute noch“, freut sich Elke de Buhr über den funktionieren Familienbetrieb. Lachend erzählt sie von einem Erlebnis, als eine ihrer Töchter als kleines Mädchen einen geführten Ponyausritt mit ihrem Mann unternahm. Er ließ nur kurz den Führstrick los, um ein paar Brombeeren zu pflücken, da lief Ernie los. „Sie kannte ja den Weg“, lacht sie. Je schneller der Papa wurde, um so schneller wurde auch Ernie und galoppierte schließlich nach Hause. Ihre Tochter hat sich wacker auf dem Pferderücken gehalten, aber der Vater war von dem Sprint etwas geschafft, als sie auf dem Hof ankamen. Ihre Tochter dagegen war begeistert. „Und begeisterte Reiter sind einfach das Schönste.“
Im historischen Tante-Emma-Laden in Neuenkruge bedient Ursula Ecker seit 60 Jahren ihre Kunden persönlich. Ein kurzer Schnack ist immer dabei.
Immer eine Reise wert ist das Ammerland. Nicht nur im Frühling und Sommer, auch im Herbst und Winter ist die Landschaft, unweit der Grenze zu Ostfriesland, mit ihren Baumschulen einmalig. Insbesondere Radfahrer finden hier ein Paradies. Touren führen durch wunderschöne Natur und die Weite Norddeutschlands und bieten überall idyllische Fleckchen zum Ausruhen und Verweilen sowie Sehenswertes.
Begibt man sich auf eine der vorgeschlagenen Fahrradrouten, kommt man irgendwann in Neuenkruge vorbei. Neuenkruge gehört mit seinen 372 Einwohnern zur Gemeinde Wiefelstede. Dieser kleine hübsche Ort verfügt über das eine oder andere touristische Highlight. Für Abkühlung der ganzen Familie sorgt im Sommer zum Beispiel das Freibad Neuenkruge, wo Groß und Klein an heißen Tagen in familiärer Atmosphäre entspannen und Spaß haben können. Auch das Schwarzbrot der Bäckerei Bremer, die seit rund 120 Jahren in Neuenkruge ansässig ist, ist eine bekannte Spezialität über die Ortsgrenze hinaus. Und last but not least gilt der historische Tante-Emma-Laden als ein Geheimtipp der Ammerländer Touristinformation.
Historisch gewachsen
Wer nun an ein Museum denkt, liegt falsch. Der schlichte Backsteinbau aus dem Jahr 1907 im Alten Postweg 18 beherbergt bis heute einen kleinen Kaufmannsladen, wie man ihn von früher kennt. Ursula Ecker steht hier seit 60 Jahren hinter der Theke. Das Haus hat weiße, unterteilte Fenster mit Fensterläden aus Holz, die genauso dunkelgrün sind wie die doppelflügelige Eingangstür. Ein Anblick, der charakteristisch für die Gegend ist und eine gewisse Ruhe und Gemütlichkeit ausstrahlt. Dem genauen Betrachter fällt auf, dass im Oberlicht „Oltmer-Lueken – Handlung“ geschrieben steht. Auf den ersten Blick erscheint das Gebäude unauffällig. Nur das aufgestellte Schild vor dem Eingang weist auf den historischen Tante-Emma-Laden hin. Doch wer genau hinschaut, der erhascht durch die Fenster einen Blick auf das liebevoll dekorierte Warenangebot.
Betritt man den kleinen Laden, fühlt man sich in seine Kindheit zurückversetzt: Regale bis fast unter die Decke, ein langer Tresen und eine schöne, alte Waage wie man sie aus früheren Kaufmannsläden kennt. An den Wänden hängen die ersten Werbeplakate von Dr. Oetker und Thiele Tee, so wie es sie heute noch als Dekotafeln zu kaufen gibt, hier im Original. Auf dem linken Teil des Tresens hat Ursula Ecker einen Bereich mit ganz verschiedenen Dingen gestaltet. Von der ostfriesischen Teekanne und dem typischen Porzellan mit dem blauen Ostfriesenmuster befinden sich dort auch Gläser, Vasen, Kommissionsbücher, Naschereien und Postkarten. „Bei uns bekommen Sie alles, was sie brauchen – von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs über kleine Geschenke, regionale Spezialitäten und Geschirrtücher bis zum Spül- und Waschmittel“, sagt die Inhaberin, die eine persönliche Beziehung zu ihren Kunden pflegt und den Dienstleistungsgedanken ihres kleinen Einzelhandelsgeschäfts unterstreicht. Beides unterscheidet sie von anonymen Discountern und großen Kaufhäusern mit Selbstbedienung.
Ihrer Zeit voraus
Unverpacktläden sind heute im Zeichen des Klimaschutzes auf dem Vormarsch. „Wir bieten schon seit jeher Lebensmittel wie Bohnen, Erbsen, Milchreis und verschiedene Sorten Nudeln unverpackt an“, erklärt Ursula Ecker weiter.
Aber auch Süßigkeiten hat die Neuenkrugerin lose im Angebot. Wer erinnert sich nicht daran, wie stolz man als Kind war, wenn man mit ein paar Groschen in der Tasche loszog, um sich nach der Schule eine kleine Süßigkeitentüte zu kaufen. Einzeln konnte man Gummibärchen, Lakritzschnecken, Marshmallows und vieles mehr bestellen – ganz nach dem eigenen Geschmack und dem Budget. „Auch heute machen Kinder das noch gerne und kommen nach der Schule bei mir vorbei, um sich genau solch eine Tüte zu holen“, erzählt Ursula Ecker lachend, die dabei auf ihre besonders leckeren Himbeer- und Sahnebonbons verweist. Wenn die Kinder dann mit glänzenden Augen freudig den Laden verlassen, geht auch ihr regelmäßig das Herz auf.
Breites Sortiment
Neben Waren wie Nuss-Nougat-Creme, Mais, Tomatenmark, Pudding, Reis, Zucker und Salz oder Streichkäse und Quark, die jeder Supermarkt im Regal stehen hat, legt Ursula Ecker Wert auf regionale Produkte und Spezialitäten. „Jetzt im Herbst treffen gerade die neuen Liköre ein“, berichtet sie. Der sogenannte Neuenkruger Tropfen, ein Schlehen-, Quitten-, Kirsch- oder Kräuterlikör, wird sogar extra für den Tante-Emma-Laden entsprechend etikettiert. „Beginnen sich die Blätter bunt zu färben, warten die Neuenkruger bereits darauf“, sagt sie augenzwinkernd.
Ebenfalls treffen in diesen Wochen die neuen Weine vom Weingut Marx aus Windesheim an der Nahe ein. Nicht ganz regional, aber der Weinanbau bleibt doch noch weitestgehend dem Süden Deutschlands vorbehalten. Für süße Schleckermäuler hält Ursula Ecker neben dem allseits beliebten und bekannten Zuckerzwieback der Bäckerei Bohne aus Kayhausen, die gleich ein paar Ortschaften weiter ansässig ist, auch deren köstliche, knusprige Kekse bereit. Eine genauso gern gekaufte Spezialität ist der Honig der Ofener Grundschule, die auch nur wenige Kilometer entfernt ist. „Die Kinder haben dort eigene Bienenvölker“, berichtet Ursula Ecker. Eingeschweißte Wurstwaren sowie Wurst im Glas von der Landschlachterei Meyerjürgens in Bad Zwischenahn runden ihr regionales Angebot ab.
„Der Kontakt zu den Menschen ist einfach schön. Man führt nette Gespräche und lernt viele Leute aus ganz Deutschland kennen.“
Wer bei Ursula Ecker im historischen Tante-Emma-Laden einkauft, wird persönlich bedient. Ein kleiner Schnack gehört immer dazu, das macht jeden Einkauf zu einem Erlebnis. „Der Kontakt zu den Menschen ist einfach schön. Man führt nette Gespräche und lernt viele Leute aus ganz Deutschland kennen“, betont Ursula Ecker. Zu ihren Kunden zählen zu gleichen Teilen Neuenkruger, Kunden aus der Umgebung und Touristen. Radler, die bei ihr einen Stopp einlegen, lädt die 79-Jährige zum Verweilen in Omas Stube oder bei gutem Wetter im Garten bei einer Tasse Kaffee und einem Stück von Omas Apfelkuchen mit Streuseln ein. Sind die Fahrrad- bzw. Einkaufstaschen dann gefüllt, geht es an die Abrechnung. Aber wer glaubt im Tante-Emma-Laden eine moderne Kasse zu finden, der täuscht sich. „Ich habe Bleistift und Papier“, lacht sie. „Ich besitze keine Rechenmaschine und auch keinen Scanner. Gerechnet wird im Kopf.“
Wie alles begann
1910 hat Familie Müller einen Kaufmannsladen in einer Holzhütte im Garten des Alten Postwegs 18 gegründet. Zehn Jahre später zog die Familie aus Neuenkruge weg und verkaufte 1920 den Laden samt Grundstück an Ursula Eckers Großeltern Johanne und Friedrich Oltmer. „Das war vor 102 Jahren. Seitdem ist der Tante-Emma-Laden in unserem Familienbesitz“, erzählt sie. Als ihr Großvater 1944 verstarb, führten ihre Großmutter und ihre Mutter Frieda Lueken, geborene Oltmer, den Laden weiter und brachten ihn durch die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre. „Während meine Mutter den Postbetrieb innehatte, stand meine Oma im Laden“, erinnert sich die heutige Inhaberin des Familienbetriebs, die 1943 geboren wurde. Sie wuchs im Laden auf und stand bereits als kleines Mädchen mit hinter der Ladentheke. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich den Laden irgendwann übernehmen werde“, erklärt sie weiter. Mit diesem Ziel vor Augen, startete die junge Neuenkrugerin 1958 eine Ausbildung zur Textilverkäuferin in Oldenburg. „Eigentlich wollte ich damals noch etwas Erfahrung sammeln, bevor ich zurückging. Aber als 1962 meine Oma starb, kehrte ich, schneller als gedacht, zurück, um meine Mutter im Geschäft zu unterstützen“, erinnert sich Ursula Ecker weiter. 1966 heiratete sie ihren Mann Wilfried. Nachdem ihre Mutter 1989 starb, führte Ursula Ecker zunächst den Laden gemeinsam mit ihrem Vater Wilhelm Lueken weiter. Nach seinem Tod 2006 übernahmen dann Ursula und Wilfried Ecker den traditionsreichen Familienbetrieb. Bis heute schmeißen Sie den Tante-Emma-Laden nun gemeinsam – wenn ihr Mann auch gerne mehr im Hintergrund agiert.
Eine Powerfrau auf ganzer Linie
Ursula Ecker stemmt Laden, Haushalt und Garten gleichzeitig. Das hat sie schon immer so gemacht. Als ihre Tochter klein war, war auch diese stets mit von der Partie. Kunden bedienen, Kindererziehung und Haushalt organisieren, war für Ursula Ecker nie ein Problem. Sie kannte es nicht anders. „Wir haben alles unter einem Dach. Wenn kein Kunde im Laden war, konnte ich mich hinten im Haus um andere Dinge kümmern“, blickt sie zurück. Kochen, putzen, waschen gehörten genauso dazu wie Buchhaltung, Bestellungen und Waren auspacken. „Es gab und gibt immer etwas zu tun“, sagt sie. „Das ist heute auch nicht anders.“ Obwohl ihre Tochter und Enkeltochter im Hinterhaus auf dem Grundstück leben, gehen diese beiden doch beruflich ihrer eigenen Wege. Für Ursula Ecker ist jedoch ein Leben ohne Geschäft kaum denkbar. Sie steht weiterhin jeden Tag für ihre langjährigen, treuen Kunden sowie alle Touristen hinter dem Tresen und freut sich auf noch viele anregende Gespräche. Ihr Alter spielt für sie keine Rolle. Solange sie gesund bleibt, macht Ursula Ecker weiter. „Denn was wäre ich ohne meinen Tante-Emma-Laden?“
Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause findet die „Kirche am Deich“ in diesem Jahr wieder statt. Insgesamt achtmal treffen sich Touristen und Einheimische in Dangast zur gemeinsamen Andacht unter freiem Himmel.
Varel: Dangaster Kurhaus-Strand Karin Wilksen-Pribbenow
Dort, wo sich 2019 alles bei der letzten „Kirche am Deich“ um „Schafe“ drehte, startet in diesem Jahr die neue Veranstaltungsreihe. „Pandemiebedingt mussten wir zwei Jahre pausieren“, berichtet Wolfgang Müller, Organisator der „Kirche am Deich“ und Kirchenältester der Evangelischen Kirchengemeinde Varel. „Ganz bewusst haben wir diesen Ort für die erste Andacht nach zwei Jahren gewählt, um da wieder anzuknüpfen, wo wir aufgehört haben“, erklärt er weiter. Nur das Motto ist natürlich ein anderes. Nicht „Schafe“ sondern „Zahlen“ standen dann an der Sonnenuhr am Dangaster Siel am 7. Juli 2022 von 19 Uhr bis 19.45 Uhr im Mittelpunkt des Geschehens.
Rund 80 Menschen haben sich an diesem ersten Abend dort zur gemeinsamen Andacht bei trockenem, aber typisch norddeutschem Wetter eingefunden. Die Atmosphäre sprach für sich: ruhig, gelassen und positiv aufgeladen. Als die ersten Klänge der Moorland-Pipes and Drums ertönten, war es fast ein wenig, als würden die Kirchenglocken läuten. Zum achten Mal sind die Dudelsackspieler und Trommler mit von der Partie und immer wieder gerne dabei. „Es ist uns eine Freude, die Kirche am Deich unterstützen zu dürfen“, so Gründerin und Pipe Major Heike Büsing.
Moorland Pipes & Drums
Wer die Klänge der Dudelsäcke und Trommeln hört, fühlt sich nach Schottland versetzt. Die Band wurde 2008 von Heike Büsing gegründet. Der Name hat Bezug zur Küste, denn die Musiker kommen alle von dem Küstenstreifen, wo früher Moorlandschaft war. Das Dangaster Gemeindehaus ist ihre Location für die wöchentlichen Proben. So kam der Kontakt und die Mitwirkung bei der Kirche am Deich zustande.
An diesem Abend hielt Schulpastor Fritz Pinne die Andacht. Auch er hält schon seit Jahren Andachten bei der „Kirche am Deich“ und ist mit Begeisterung dabei. „Der Charme der Veranstaltung spricht für sich“, lacht er. Er würde auch als Dangast-Liebhaber stets noch neue Ecken oder Dinge wie die Sonnenuhr entdecken, die ihm vorher noch nicht aufgefallen waren. Er sprach am Fuße der Sonnenuhr stehend über Zeit und die Sonne, die für ihn ein Orientierungspunkt auch in schwierigen Phasen sei – wie ein Fels in der Brandung. Er beschrieb nicht nur den Sonnenverlauf in seinem Arbeitszimmer, dem seiner Frau und in seiner Schule, sondern auch dass die Sonne ihm so immer zeige, welche Stunde gerade „geschienen“ hat.
Ortsexperte Dirk Janßen setzte sich näher mit den Zahlen dieses besonderen Platzes auseinander. Der Qualitätsmanager, der in seiner Freizeit engagiert zu den Themen und Orten recherchiert, erzählte, wie die römischen Ziffern entstanden sind und warum sie als Buchstaben geschrieben werden.
„Zahlen begleiten uns überall in unserem Leben – angefangen bei Hausnummnern über Kontonummern bis hin zu den täglichen Inzidenzen momentan“ – Karl-Heinz Martinß
Zwischen Predigt, Erklärung und Lesung gab es Musik. Organistin Christl Spitzer begleitet die Gemeinde beim Singen dreier Kirchenlieder, die speziell für die Veranstaltungsreihe in diesem Jahr ausgewählt wurden, am Keyboard. „Der Vorteil liegt bei den ‚Wiederholungstätern‘. Beim achten Mal können alle die Lieder laut mitschmettern“, lacht Spitzer, die von Anfang an als Organistin mit im Boot ist.
Von „Zahlen“ und me(e)hr
„Zahlen begleiten uns überall in unserem Leben – angefangen bei Hausnummnern über Kontonummern bis hin zu den täglichen Inzidenzen momentan“, erklärt Karl-Heinz Martinß, der gemeinsam mit Wolfgang Müller die „Kirche am Deich“ seit sechs Jahren organisiert. Deshalb wollen die beiden Herren das Thema „Zahlen“ in diesem Jahr aus Dangaster Sicht beleuchten. So wird es neben der Sonnenuhr am Dangaster Siel beispielweise eine Andacht am Haus Nr.1 in der Edo-Wiemken-Straße oder am Vermessungspavillon und dem Wegweiser am Weltkulturerbeportal geben. Denn typisch für die „Kirche am Deich“ ist, dass es zusätzlich zur Andacht immer einen „Ortsexperten“ gibt, der etwas über diesen besonderen Ort themenbezogen berichtet.
Wie alles begann
Die Vareler Pastorin Elke Andrae brach den starren Gedanken, Gottesdienst müsse in einer Kirche stattfinden, auf. Sie wollte vor knapp 20 Jahren die Kirche zu den Menschen bringen, sie anregen, innezuhalten und kurz über Gott und allgemeine Lebensfragen nachzudenken. Urlaubern und Einheimischen wollte Andrae eine Begegnung mit der Kirche im Trubel ermöglichen. So wurde 2004 die Idee zur „Kirche am Deich“ geboren.
Jeden Sommer finden seitdem acht Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Dangast unter freiem Himmel statt – immer unter einem anderen Motto, aber immer mit Gedanken zu Gott und dem Leben sowie mit Musik und immer im Juli und August donnerstags abends um 19 Uhr.
Ökumene in Dangast
Was Andrae damals auf den Weg gebracht hat, ist heute ökumenisch und fest etabliert. Zwar ist der Träger der Veranstaltungsreihe weiterhin die Evangelische Kirchengemeinde Varel, aber die katholische und die neuapostolische Gemeinde sind genauso wie die evangelische Freikirche mit im Boot. Nicht nur Pastoren aus diesen Gemeinden halten Andachten, sondern auch Gastpastoren aus den umliegenden Gemeinden. „2018 war Thomas Andomeit, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Oldenburg mit von der Partie sowie der Weihbischof der katholischen Kirche“, erinnert sich Müller.
Immer an der frischen Luft
„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“, lacht Martinß. „Kirche am Deich“ findet draußen statt und das Wetter nehmen die Norddeutschen, wie es kommt. „Ich erinnere mich an einen heftigen Wolkenbruch vor einigen Jahren“, erzählt Müller. „Es flohen alle, um sich unterzustellen. Wir dachten, dass bestimmt niemand mehr zurückkommen würde. Aber das Gegenteil war der Fall. Die Menschen warteten den Schauer ab und fanden sich dann wieder für den Rest der Andacht bei uns ein“, erinnert sich Müller erfreut zurück. „Das Wetter können wir nicht beeinflussen, aber unser Programm wird wieder bunt“, so der Gästeführer Martinß.
Musik liegt in der Luft
Kurzweilig sind die Andachten immer. „Auch Menschen, die keiner Kirche angehören, fühlen sich bei uns wohl“, weiß Müller. Durch die Themenwahl lockt die „Kirche am Deich“ Jung und Alt, Einheimische wie Touristen an. Besonderes Highlight ist immer wieder die Musik. Fester Bestandteil sind dabei der Gospelchor Amatöne sowie der Posaunenchor Varel. Seit rund vier Jahren sind auch stets der Chor sowie das Jugendorchester der neuapostolischen Kirche mit dabei.
Positiv in die Zukunft
„Nach der ‚Kirche am Deich‘ ist vor der ‚Kirche am Deich‘“, lacht Müller. Er und Martinß sind bereits in die groben Planungen für die nächsten Jahre eingestiegen. Ab September beginnen die Beiden bereits mit der Organisation der Veranstaltungen für 2023. Das Thema steht schon fest: die vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde und Luft. 2024 wird die „Kirche am Deich“ dann unter dem Motto „Künstlerort Dangast“ stehen und 2025 das große 20jährige Jubiläum feiern. „Wir freuen uns auf die Planungen, die Begegnungen mit vielen Menschen und immer einzigartige, kurzweilige Abende“, so Müller und Martinß. Und nicht nur die Organisatoren freuen sich auf die nächsten Jahre, auch für die Dangaster ist die „Kirche am Deich“ inzwischen ein fester Bestandteil des Sommers geworden, wie sich in Pandemiezeiten zeigte. „Wir haben gehört, dass sich Leute alleine zur gewohnten Zeit zu einer kleinen privaten Andacht getroffen haben“, berichtet Martinß bewegt aus den vergangenen zwei Jahren. „Innehalten ist hier im touristischen Trubel oft nicht oder nur schwer möglich. Man muss sich bewusst dafür entscheiden und die ‚Kirche am Deich‘ schafft dafür einen Raum“, so Martinß abschließend.
Dangast
Dangast liegt am südwestlichen Jadebusen und gehört mit seinen 545 Einwohnern zur Stadt Varel.
Nach der Marcellusflut 1362 wurde Dangast an flutgeschützter Stelle neu gegründet. Aus diesem Grund gehört das Nordseebad zu einem der wenigen Plätze an der deutschen Nordseeküste, an dem man einen „deichlosen“ Blick auf das Meer genießen kann.
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